Aktuelles / Termine / Berichte
'Das Menschenrecht auf Inklusion'
am 17.März 2012
ab 9.30 Uhr in der Päd. Hochschule Ludwigsburg
Fachtagungen der Landesgruppe des
Grundschulverbandes
siehe unter
Terminen
für Grundschullehrer/innen, Erzieher/innen und Eltern
Sehr geehrte Damen und Herren,
… Kinder erforschen und entdecken die Welt. Diese Welt wird Kindern in Kindertagesstätten und in der Grundschule in wichtigen Bildungsbereichen aufgeschlossen: es ist die Welt der Sprache und der Mathematik, die Welt der Sachen und Phänomene, die natürliche, soziale und kulturelle Welt. Schon Comenius hat für eine alte, noch weitgehend agrarische Zivilisation festgestellt, wie sehr alle diese Bildungsbereiche auch schon im Elternhaus, in der Familie aufgeschlossen und herausgefordert werden. Wie viel mehr gilt das für unsere moderne Gesellschaft.
Elternhaus, Kindertagesstätte und Grundschule sind also gleichermaßen durch diese Thematik angesprochen. Bildung in der Kindheit kann nur gelingen, das wissen wir schon lange, wenn die drei Bereiche zum Wohle des Kindes zusammenarbeiten. Wenn es gelingt, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln, Kontakt und Dialog zu realisieren. Wir nennen das bekanntlich Erziehungs- und Bildungspartnerschaft. Deshalb erging unsere Einladung an Eltern und an Kollegen und Kolleginnen in Kitas und Grundschulen gleichermaßen.
Schon lange liegt der Landegruppe das Anliegen einer Bildungspartnerschaft am Herzen. Deshalb haben wir immer über die Grundschule hinausgedacht. In einem Runden Tisch Grundschule haben wir schon vor Jahren mit den Eltern in BW zusammengearbeitet. Im vergangenen Jahr haben wir zwei Treffen mit dem Landeselterbeirat zu einem intensiven Dialog genutzt und auch eine gemeinsame Stellungnahme zur Lehrerbildung verabschiedet. …
Tatsächlich hat es in den letzten Jahren Entwicklungen im Lande gegeben, die viele von uns vor noch nicht langer Zeit gar nicht für möglich gehalten hätten. Die Frühe Bildung ist bundesweit mittlerweile an 60 Hochschulen vertreten. In Baden Württemberg ist es gelungen, sie an allen Pädagogischen Hochschulen zu etablieren. Damit haben wir etwas, was den meisten anderen Bundesländern fehlt. Künftige ErzieherInnen und LehrerInnen lernen an einer Einrichtung und begegnen sich auch in gemeinsamen Lehrveranstaltungen. Sie entwickeln eine gemeinsame Sprache.
Künftig wird das Studium für GS-Lehrende ein Langzeitstudium sein. Es wird 8 Semester dauern. Es wird gleich viel wert sein wie das der Gymnasiallehrer, auch wenn es vielleicht noch nicht genau so hoch bezahlt wird. Aber es ist gelungen, die frühe und grundlegende Bildung endlich aus der Ecke zu holen, in die sie bislang gestellt war, die der Banalisierung und Trivialisierung. Brauchen kleine Kinder nur eine kleine Bildung? Nein, sie brauchen die beste und größte Bildung. Kindheit ist die wichtigste Bildungszeit. Das wird endlich anerkannt. …
Die heutige Veranstaltung will einen Beitrag zu einer effektiven und humanen Bildung leisten. Wir haben, wie Sie wissen, vier Themen angeboten, vier Welten, die Kinder herausfordern zu lernen: Sprache, Mathematik, Naturphänomene, und die Kooperation mit Anderen. Wir wollen sie dabei laufen lassen, wie es ihrer Individualität entspricht. Wir setzten dabei auf das eigenaktive Kind, auf seine eigenen bildenden Aktivitäten. Und wir bemühen uns als Erwachsene darum, diesen Prozess zu fördern.
Ich wünsche uns allen eine ergiebige und diskussionsfreudige Veranstaltung. Den Kolleginnen und Kollegen, die unserer Einladung gefolgt sind, möchte ich ganz herzlich danken.
Prof. Dr. Hans-Joachim Fischer
Acht Forderungen zur Bildungsgerechtigkeit
1 Kinder brauchen ermutigende Zuwendung von Erwachsenen
Für ihr geistiges, seelisches und soziales Wachsen brauchen Kinder Erwachsene, die sich ihnen respektvoll und ermutigend zuwenden, die sie durch Lernaufgaben herausfordern und ihnen helfen, sich Kompetenzen und Erkenntnisse möglichst selbstständig anzueignen. Sie brauchen Erwachsene, die mit ihnen Klasse
und Schule als Ort gemeinsamen und mitverantwortlichen Lebens und Lernens gestalten.
Alles, was diese pädagogische Qualität behindert, ist abzubauen. Lehrerbildung und Rahmensetzungen wie Klassengrößen, Lernzeiten, Schulstruktur müssen dazu beitragen, diese pädagogische Qualität zu erreichen und zu erhalten.
2 Kinder brauchen eine Schule als Bildungszentrum im Stadtteil
Schulen müssen Teil eines sozialen und kulturellen Netzes im Stadtteil sein. Insbesondere Schulen in sog. »sozialen Brennpunkten« müssen zu Bildungszentren für alle werden, die auch die Eltern und Großeltern der Kinder ansprechen und einbeziehen.
3 Kinder brauchen Bildungszeit vor Beginn der Schulzeit
Die Einrichtungen der elementaren Bildung müssen als Bildungseinrichtungen nicht nur postuliert, sondern kostenfrei eingerichtet werden. Da Kita-Jahre Bildungsjahre sind, ist eine höhere Qualifikation der Erzieherausbildung erforderlich. Die Gruppengrößen sind zu verringern. Das pädagogische Konzept muss den Bildungsmöglichkeiten und -bedürfnissen der Kinder gerecht werden. Der Übergang von Kita- zur Grundschul-Bildungszeit muss pädagogisch anschlussfähig gestaltet werden.
4 Kinder brauchen eine Schule ohne Auslese
In der Grundschule ist auf jede Form von Auslese zu verzichten. Die Grundschule muss eine inklusive Schule sein, in der alle Kinder – gleich welcher Herkunft und welcher Leistungsfähigkeit – gemeinsam leben und lernen können und in der sie die individuell notwendigen Unterstützungen erhalten. Diese
Schule gemeinsamen und individuellen Lernens muss für die gesamte Pflichtschulzeit gelten.
An die Stelle von Noten und Zensurenzeugnissen tritt eine Pädagogische Leistungskultur mit Lerngesprächen, Portfolios der Kinder als individuelle Leistungsnachweise, dokumentierten Beratungen mit Kindern und Eltern sowie individuell terminierbaren Zertifikaten.
5 Kinder brauchen kleine Lerngruppen
Für individuelles und gemeinsames Lernen braucht die Grundschule unterschiedliche Lernarrangements: Partnerschaften, kleine Gruppen zum Forschen, größere Versammlungsforen z. B. für Präsentationen und Mitwirkungsgremien sowie die Schulklasse als kontinuierliche Lerngruppe. Schulklassen dürfen nicht mehr als 20 Kinder haben.
6 Kinder brauchen Räume, in denen sie lernen und leben können
Grundschulen brauchen zusätzlich zu den Klassenräumen Funktionsräume, in denen sie lesen, forschen, sich beraten, etwas herstellen, musizieren, malen, bauen können, Räume, in denen sie toben oder sich zurückziehen können. Schulen brauchen deshalb z. B. eine Bibliothek, Leseräume, Experimentier-Werkstätten, Werkräume, ein Versammlungsforum, einen Speiseraum, einen Schulgarten. Dies muss in den Bau- und Ausstattungsrichtlinien für Grundschulen verbindlich festgelegt sein.
7 Kinder brauchen einen Ganztag mit pädagogisch durchgestaltetem Konzept
Kinder brauchen Zeit für gemeinsames und individuelles Lernen, für Anspannung und Entspannung, für vorhandene Lernaufgaben und für selbst gewählte Tätigkeiten. Diese Zeit erfordert ihren eigenen Rhythmus, der sich an den Bedürfnissen der Kinder und den jeweiligen Tätigkeiten orientiert. Dazu ist der
Ganztag nötig. Er darf aber nicht auseinanderfallen in Unterricht plus Betreuung. Er muss vielmehr ein pädagogisch durchgestaltetes Konzept haben, in dem Lehrkräfte und sozialpädagogische Fachkräfte zusammenarbeiten. Die Ganztagsschule ist kostenfrei.
8 Kinder brauchen besondere Unterstützungen
Maßnahmen externer Evaluierung (Leistungstests, Schulinspektion) müssen zur Folge haben, dass Schulen, deren Kinder hinter den Bildungszielen zurückbleiben, besonders und gezielt unterstützt werden. Dies gilt insbesondere für Schulen mit hoher Zahl sog. »Risikokinder«. Diese Schulen brauchen zusätzliche Förderkräfte, sozialpädagogische Fachkräfte, einen höheren Materialansatz und begleitendes Coaching für das pädagogische Personal. Sie haben aber selten so zahlungsfähige Eltern und Sponsoren wie Schulen in privilegierten Milieus oder Schulen in privater Trägerschaft. Hier muss deshalb die öffentliche Hand finanziell ausgleichen. Denn: Das Entstehen von Grundschulen 1., 2. und 3. Klasse widerspricht fundamental dem Bildungsrecht, das jedes einzelne Kind hat.
Drei Grundsätze einer kindergerechten Schule
Allen Kindern gerecht werden – das heißt für die Schule dreierlei:
1 Kinder brauchen eine Schule, in der sich jedes Kind wohlfühlen kann, in der es sich gut aufgehoben weiß, in der es nicht beschämt wird und unbeschädigt leben und lernen kann.
2
Kinder brauchen eine Schule, in der jedes Kind alle Chancen erhält, seine
Fähigkeiten und Talente
zu
entwickeln, d. h. auch: eine Schule, die ausgleicht, was Kindern in ihrer
außerschulischen
Umwelt an Geborgenheit und an Anregungen fehlt.
3 Kinder brauchen eine Schule, in der die tägliche Erfahrung von Verschiedenem und Gemeinsamem
alle bereichert und die sie lehrt, dies in ihrem Gemeinwesen Schule fair miteinander zu leben.
Die Landesgruppe des Grundschulverbandes ist Mitglied des Netzwerkes:
in-einer-schule-gemeinsam-lernen-bw
http://www.in-einer-schule-gemeinsam-lernen-bw.de/bw/kontakt/
VERA kommt – auch in Baden-Württemberg
In den Heften 89, 90 und 99 (September 2007) seiner Mitgliederzeitschrift hat der Grundschulverband seine (und auch abweichende) Positionen zu den VERgleichsArbeiten dargelegt. Der Grundfrage des Verbandes lautete dabei immer, ob solche vergleichenden Arbeiten für das Lernen der Kinder sinnvoll oder sogar förderlich sind. Horst Bartnitzky, Vorsitzender des Grundschulverbands, überschreibt seinen Beitrag in Heft 99: „Wie Vergleichsarbeiten die Unterrichtskultur beschädigen“ und nennt dazu fünf Thesen und eine Hoffnung.
Seine Thesen seien hier kurz zusammen gefasst, um dann auf seine Hoffnung einzugehen, die sicherlich Hinweise gibt, wie an den Schulen mit VERA sinnvoll umgegangen werden kann.
Die Thesen:
1. Die Tests verstärken das Interesse an wenigen ausgewählten Fächern, die im Fokus der internationalen Untersuchungen liegen. Hier testen sie einige Bereiche der kognitiven Dimension mit einfachen Aufgabenstellungen. Überfachliche Bildungsansprüche, andere Lerndimensionen und komplexe Aufgabenstellungen bleiben ausgeklammert und drohen, zu schulischen Nebensachen zu werden.“ (Grundschule aktuell, Heft 99 S. 3)
2. „Die Entscheidung für Tests als bevorzugtes Evaluierungsinstrument unterstellt für Lernprozesse ein technizistisches Paradigma: die Unterrichtsprozesse werden auf die Vermittlung von überprüfbaren Zielen reduziert. Damit wird der Blick auf nachhaltig wirksame und qualifizierende Bildungsprozesse verstellt, die Auswirkungen auf Selbst,- Sozial- und Sachkompetenzen außerhalb von Papier- Bleistift-Evaluierungen haben.“ (a.a.O. S. 3)
3. „Die Tests nehmen Lerner in ihren Denkvorgängen nicht wahr, sondern ermitteln Antworten auf der Aussageoberfläche. Damit können sie keine Aussage zur Denkqualität, zu den individuellen Denkstrategien und Lösungswegen der Kinder machen. Mithin reduziert sich auch die Möglichkeit erheblich, Schlüsse für individuelle Maßnahmen zu ziehen.“ (a.a.O. S. 3)
4. Die Tests verwenden verfremdete Aufgabenstellungen. In den gewählten Lebensweltzusammenhängen kann sich immer nur ein Teil der Schüler wiederfinden. Das wirkt sich bei vielen, insbesondere jüngeren und kontextabhängig denkenden Kindern, nachteilig auf Interesse und Leistung aus.“ (a.a.O. S. 4)
5. “Sowohl die Testautoren wie ihre Auftraggeber, die Schulpolitik der Länder, geben öffentlich generalisierend vor, mit den Testergebnissen die Leistungen der Kinder und der Schulen in den entsprechenden Lernbereichen zu spiegeln. Damit wird die begrenzte Aussage der Tests zu einzelnen fachlichen Leistungen fälschlich in eine Allaussage über Qualität von Unterricht und Schule insgesamt umgemünzt. Die Folge ist, dass die mit schlichten Aufgabenformaten konstruierten Tests vorgeben, was und wie in den Schulen unterrichtet werden soll. Die Schulpolitik in den Ländern tritt damit ihren demokratisch legitimierten Auftrag, über Bildungsziele und – inhalte zu entscheiden, an die Testautorinnen und – autoren ab.“ (a.a.O. S. 4)
Die Argumente für und gegen VERA sind benannt, Tatsache ist, dass ab dem Schuljahr 2008/2009 alle dritten Klassen in Baden-Württemberg diese Vergleichsarbeiten durchführen werden. Erste Rückmeldungen von Schulen, in welchen zu Beginn des Schuljahres in vierten Klassen VERA-Tests durchgeführt wurden liegen vor und scheinen die in den Thesen aufgeführten Bedenken voll zu bestätigen.
VERA kommt – auch in Baden-Württembergs dritten Klassen ab dem kommenden Schuljahr. Die Landesgruppe rät (und stimmt damit in der Einschätzung des Bundesvorsitzenden vollständig überein, wie dieser in seinem Kapitel „Die Hoffnung“ (a.a.O. S. 4) darlegt):
1. Kühlen Kopf bewahren: Nehmen Sie VERA als Test, der Ihnen – neben Ihren anderen Formen der Leistungsmessung – eine Momentaufnahme mit Daten liefert. Diese Daten sind in Ihrer Schule zu interpretieren. Ebenfalls in Ihrer Schule ist zu entscheiden, was Sie mit diesen Daten anfangen. Sie können Ihnen zweifellos weitere punktuelle Hinweise zur Arbeit an Ihrer Schule geben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Keinesfalls aber können sie als Entscheidungsgrundlage für Grundschulempfehlungen herangezogen werden.
2. Weitere Methoden der Leistungswürdigung anwenden: Mit seinem Projekt „Pädagogische Leistungskultur“ und den entsprechenden Materialien (zu beziehen über info@grundschulverband.de) liegt eine Fülle sofort einsetzbarer Möglichkeiten vor, Leistungen der Kinder wahrzunehmen, zu würdigen und zu fördern. Diesen Materialien ist ein pädagogischer Leistungsbegriff zugrunde gelegt, der in erster Linie zum Ziele hat, die Leistungsfähigkeit und –bereitschaft des einzelnen Kindes zu beobachten und zu fördern.
3. Kein „Teaching to the Test”: VERA birgt die Gefahr in sich, dass Unterricht so verändert und damit verengt wird, dass das gute Abschneiden bei VERA im Vordergrund der unterrichtlichen Arbeit steht. Diese Verengung läuft den Bildungsansprüchen der Kinder sowie den Intentionen des Bildungsplans 2004 Baden-Württemberg diametral entgegen. Dieser Gefahr muss an jeder einzelnen Schule bewusst gegengesteuert werden.
4. Diskussion der Bedeutung von VERA: Setzen Sie sich in Ihrem Kollegium im Vorfeld mit VERA auseinander und überlegen Sie gemeinsam, wie Sie damit konstruktiv und für die Kinder sowie die Schule gewinnbringend umgehen können.
Die Landesgruppe baut darauf, dass die Kollegien der Grundschulen auch mit der Herausforderung VERA konstruktiv und sinnvoll im Sinne der uns anvertrauten Kinder umgeht.
VERA
|
Ziele von VERA |
Kritische Rückfragen |
|
1. Schul- und Unterrichtsentwicklung: Die Vergleichsarbeiten sollen fachliche, fachdidaktische und pädagogisch-psychologische Impulse für Schul- und Unterrichtsentwicklung bieten. Die aktive Beteiligung an der Durchführung und Auswertung soll zu schulinterner Kooperation und Diskussion über z.B. Standards, Unterrichtsgestaltung oder Beurteilungspraxis anregen.
|
Stellen sich Schulen ihren Problemen, wenn die Erhebung in einem Kontrollkontext durchgeführt wird?
Macht das eingeforderte Erfolgskriterium „Durchschnittsniveau“ nicht immer 50% der Schulen zu Versagern?
Stehen Aufwand der Durchführung und Ertrag an Zusatzinformation in einem akzeptablen Verhältnis?
Rückmeldungen aus den Schulen lassen daran zweifeln, dass der Nutzen in der Regel so wahrgenommen wird (vgl. Grundschule aktuell, Heft 99 und 103). |
|
2. Bestandsaufnahme: Standardsicherung und -entwicklung: Die Vergleichsarbeiten orientieren sich an den Anforderungen der länderübergreifend verbindlichen Bildungsstandards für den Primarbereich. Im Rahmen des Projekts werden unterschiedliche Vergleichsperspektiven ermöglicht.
|
Können wirklich alle Bereiche der Bildungsstandards abgedeckt werden? Sind die Beispielaufgaben wenigstens für die erfassten Teilbereiche zureichend repräsentativ? Machen Aufgaben aus dem 4. Schuljahr Ende der 3. Klasse Sinn? Sind die Aufgaben überhaupt geeignet, tatsächlich die Kompetenzen zu erfassen, die sie erfassen sollen?
Gerade die letzte Frage wird von Horst Barnitzky für das Fach Deutsch ganz klar mit NEIN beantwortet und auch Klaus Weinrich kommt für das Fach Mathematik zu dem Fazit, dass die allgemeinen mathematischen (prozessbezogenen) Kompetenzen mit den VERA-Aufgaben nicht erfasst werden (beide Texte im neuen Grundschule aktuell Heft 103, September 2008). |
3. Professionalisierung: Erfassung und Verbesserung der Diagnosegenauigkeit: Die Lehrerinnen und Lehrer werden im Bereich Mathematik sowie in Deutsch im Teilbereich Lesen vor der Durchführung der Vergleichsarbeiten gebeten, eine Einschätzung der Lösungshäufigkeiten für ihre eigene Klasse vorzunehmen. Der Vergleich dieser Voraussagen mit den tatsächlichen Lösungshäufigkeiten ermöglicht jeder Lehrkraft eine Auseinandersetzung mit der eigenen Diagnosegenauigkeit.Neben diesen Zielen wird mit den Vergleichsarbeiten angestrebt
|
Verführt die Standardisierung nicht vielmehr zu einer Oberflächenorientierung, die die Sensibilität für Mehrdeutigkeiten von Lösungen reduziert?
Kann man ohne Kenntnis von Lösungswegen/ von Begründungen Kompetenzen „diagnostizieren“? Für das Fach Mathematik belegen Klaus Weinrich (Grundschule aktuell, Heft 103, s.o.) und Ulrich Schwätzer in seinem Artikel „Vera’s Kreuzchen verraten Kompetenzen“ das Gegenteil (als Download zu finden auf der Homepage: http://www.grundschulverband.de/vergleichsarbeiten.html) Fazit von Klaus Weinrich (s.o.): „Die zurückgemeldetetn Daten sind für die konkrete Förderung der Kinder nicht relevant“.
Was bedeutet es, dass Teillösungen nicht anerkannt werden? Überlagern nicht allgemeine Kompetenzen (Weltwissen beim Lesen; Lesefähigkeit in Mathematik) die untersuchte Leistung? Ist eine punktuelle Probe wirklich aussagekräftiger als die Beobachtung über ein Schuljahr hinweg? Müsste „Diagnose“ nicht ein breiteres Repertoire an Aufgabentypen und Auswertungsformen umfassen?
|
Pressemitteilung v. 11. Mai 2009
"Vera-Woche" in allen Grundschulen
http://www.grundschulverband.de/vergleichsarbeiten.html
|
Runder Tisch Grundschule
Fachtagung
www.runder-tisch-grundschule.de |
|
September 2009 |
11. - 12.09.2009
|
|||||||||||||||
|
2010
73525 Schwäbisch Gmünd
08.05.2010 74074 Heilbronn
25.09.2010
16.10.2010 www.ph-freiburg.de |
Fachtagunungenfür Grundschullehrer/innen, Erzieher/innen und Eltern
Kinder erforschen und entdecken die
Welt
|
|
|
Inhalt |
Referent/in |
|
... Sprache |
Das alphabetische Schriftsystem verstehen: Kinder und Erwachsene lernen lesen und schreiben |
Prof’in. Dr. Erika Brinkmann PH Schwäb. Gmünd |
|
... Mathematik |
Kinder bringen auf jeder Altersstufe mathematisches Wissen mit und erweitern dieses mit ihrem Forscherdrang. Wie wir Kinder beim Entdecken von Mathematik vor und zu Beginn der Schule unterstützen können wird ein Thema des Workshops sein. Des Weiteren wird aufgezeigt, welche mathematischen Aspekte Kinder in Alltagssituationen sowie in Spiel- und Erkundungsumgebungen aktiv entdecken und erkunden können. |
Prof’in. Dr. Christiane Benz PH Karlsruhe |
|
... die Welt |
Im Spiel und bei Experimenten mit Luft und Wasser erkunden Kinder beispielhaft die Welt und entwickeln und erproben dabei Strategien des kreativen eigenaktiven Umgangs. Die Ergebnisse des multilateralen EU-Projektes „Natur und Technik in frühen Bildungsprozessen (NATURBILD)“ zeigen auf, wie Kinder in diesem Prozess begleitet und unterstützt werden können. |
Prof. Dr. Hans-Joachim Fischer PH Ludwigsburg |
|
... kooperative Lernformen |
Anschaulich zeigt das Konzept des Kooperativen Lernens, wie Kinder anhand verschiedener Methoden mit Freude aktiv, effizient und inhaltlich fundiert lernen und arbeiten. Dabei entwickeln sie ihre sozialen Kompetenzen weiter. |
L’in Annette Pohl, Green Trainer of Cooperative Learning and Teaching L’in in Stuttgart |
Prof'in.
Dr. Erika Brinkmann, seit dem 24.04.2010 1. Vorsitzende der
Landesgruppe des
Grundschulverbandes.
Bisher Prof. Dr. Hans-Joachim Fischer (10 Jahre im Amt).
Zu den Lernbereichen + Sprache Die Schrift erfinden_Freiburg.pdf brue.bri.eb.06.freies-schreiben.GSV-a.060804.pdf
+ Mathematik
+ Sachunterricht (die Welt)
+Kooperatives Lernen
Fachtagung zur Inklusion am 17. März 2012
ab 9.30 Uhr in der Päd. Hochschule Ludwigsburg
Hauptreferat: Prof. Dr. Kerstin Merz-Atalik
Das Menschenrecht auf Inklusion
und seine Umsetzung
in der Bildung in Baden-Württemberg
09.30 Uhr Eintreffen
10.00 Uhr Begrüßung und Grußworte
10.15 Uhr Prof. Dr. Brinkmann: Aktuelles
11.00 Uhr Vortrag von Prof. Dr. Merz-Atalik
Diskussion und Austausch
Im Anschluss Mitgliederversammlung des Grundschulverbandes
Hier ist das Plakat zur Fachtagung
Aktuelles
/ Termine / Berichte
Fachtagungen der Landesgruppe des
Grundschulverbandes
siehe unter Terminen
Fachtagungen
für Grundschullehrer/innen, Erzieher/innen und Eltern
Sehr geehrte Damen und Herren,
… Kinder erforschen und entdecken die Welt. Diese Welt wird Kindern in Kindertagesstätten und in der Grundschule in wichtigen Bildungsbereichen aufgeschlossen: es ist die Welt der Sprache und der Mathematik, die Welt der Sachen und Phänomene, die natürliche, soziale und kulturelle Welt. Schon Comenius hat für eine alte, noch weitgehend agrarische Zivilisation festgestellt, wie sehr alle diese Bildungsbereiche auch schon im Elternhaus, in der Familie aufgeschlossen und herausgefordert werden. Wie viel mehr gilt das für unsere moderne Gesellschaft.
Elternhaus, Kindertagesstätte und Grundschule sind also gleichermaßen durch diese Thematik angesprochen. Bildung in der Kindheit kann nur gelingen, das wissen wir schon lange, wenn die drei Bereiche zum Wohle des Kindes zusammenarbeiten. Wenn es gelingt, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln, Kontakt und Dialog zu realisieren. Wir nennen das bekanntlich Erziehungs- und Bildungspartnerschaft. Deshalb erging unsere Einladung an Eltern und an Kollegen und Kolleginnen in Kitas und Grundschulen gleichermaßen.
Schon lange liegt der Landegruppe das Anliegen einer Bildungspartnerschaft am Herzen. Deshalb haben wir immer über die Grundschule hinausgedacht. In einem Runden Tisch Grundschule haben wir schon vor Jahren mit den Eltern in BW zusammengearbeitet. Im vergangenen Jahr haben wir zwei Treffen mit dem Landeselterbeirat zu einem intensiven Dialog genutzt und auch eine gemeinsame Stellungnahme zur Lehrerbildung verabschiedet. …
Tatsächlich hat es in den letzten Jahren Entwicklungen im Lande gegeben, die viele von uns vor noch nicht langer Zeit gar nicht für möglich gehalten hätten. Die Frühe Bildung ist bundesweit mittlerweile an 60 Hochschulen vertreten. In Baden Württemberg ist es gelungen, sie an allen Pädagogischen Hochschulen zu etablieren. Damit haben wir etwas, was den meisten anderen Bundesländern fehlt. Künftige ErzieherInnen und LehrerInnen lernen an einer Einrichtung und begegnen sich auch in gemeinsamen Lehrveranstaltungen. Sie entwickeln eine gemeinsame Sprache.
Künftig wird das Studium für GS-Lehrende ein Langzeitstudium sein. Es wird 8 Semester dauern. Es wird gleich viel wert sein wie das der Gymnasiallehrer, auch wenn es vielleicht noch nicht genau so hoch bezahlt wird. Aber es ist gelungen, die frühe und grundlegende Bildung endlich aus der Ecke zu holen, in die sie bislang gestellt war, die der Banalisierung und Trivialisierung. Brauchen kleine Kinder nur eine kleine Bildung? Nein, sie brauchen die beste und größte Bildung. Kindheit ist die wichtigste Bildungszeit. Das wird endlich anerkannt. …
Die heutige Veranstaltung will einen Beitrag zu einer effektiven und humanen Bildung leisten. Wir haben, wie Sie wissen, vier Themen angeboten, vier Welten, die Kinder herausfordern zu lernen: Sprache, Mathematik, Naturphänomene, und die Kooperation mit Anderen. Wir wollen sie dabei laufen lassen, wie es ihrer Individualität entspricht. Wir setzten dabei auf das eigenaktive Kind, auf seine eigenen bildenden Aktivitäten. Und wir bemühen uns als Erwachsene darum, diesen Prozess zu fördern.
Ich wünsche uns allen eine ergiebige und diskussionsfreudige Veranstaltung. Den Kolleginnen und Kollegen, die unserer Einladung gefolgt sind, möchte ich ganz herzlich danken.
Prof. Dr. Hans-Joachim Fischer
Acht Forderungen zur Bildungsgerechtigkeit
1 Kinder brauchen ermutigende Zuwendung von Erwachsenen
Für ihr geistiges, seelisches und soziales Wachsen brauchen Kinder Erwachsene, die sich ihnen respektvoll und ermutigend zuwenden, die sie durch Lernaufgaben herausfordern und ihnen helfen, sich Kompetenzen und Erkenntnisse möglichst selbstständig anzueignen. Sie brauchen Erwachsene, die mit ihnen Klasse
und Schule als Ort gemeinsamen und mitverantwortlichen Lebens und Lernens gestalten.
Alles, was diese pädagogische Qualität behindert, ist abzubauen. Lehrerbildung und Rahmensetzungen wie Klassengrößen, Lernzeiten, Schulstruktur müssen dazu beitragen, diese pädagogische Qualität zu erreichen und zu erhalten.
2 Kinder brauchen eine Schule als Bildungszentrum im Stadtteil
Schulen müssen Teil eines sozialen und kulturellen Netzes im Stadtteil sein. Insbesondere Schulen in sog. »sozialen Brennpunkten« müssen zu Bildungszentren für alle werden, die auch die Eltern und Großeltern der Kin